Wieder einmal war das Saison-Finale gegen Waldau Stuttgart an Dramatik nicht zu überbieten. Absolutes Weltklassetennis wurde von beiden Mannschaften geboten, nur der Wettergott hatte leider kein Einsehen. Ein verspäteter Beginn, drei Regenunterbrechungen und nach Ende der
1. Runde musste sogar in die Halle ausgewichen werden. Allerdings wurden die Zuschauer durch die Leistungen der Spielerinnen vollauf entschädigt. Ein Marathonmatch lieferten sich an Pos. 2 Ekaterina Bychkova und die Stuttgarterin Kirsten Flipkens. Durch die Regenunterbrechungen dauerte das Match 4 Stunden und endete mit einem glücklichen Erfolg von Flipkens. Dabei hatte Ekaterina alles versucht, den 1. Satz sogar im Tiebreak mit 7:4 gewonnen, doch bei 1:1 im 2. Satz kam der Regen. Danach lief bei der 08-Spielerin erst mal gar nichts mehr. 5 Spiele in Folge verlor sie und damit auch den 2: Satz mit 6:1. Doch dann spielte sie wieder ihr begeisterndes Power-Tennis, nagelte Flipkens regelrecht auf der Rückhandseite fest, um im entscheidenden Augenblick mit der Rückhand longline zu punkten. Lohn war eine 3:2 Führung bei eigenem Aufschlag. Doch wieder verhinderte der Regen ein Happy-End. Ekaterina verlor nach der Pause direkt die nächsten beiden Spiele. Beim Stand von 5:5 hatte sie noch eine Riesenchance zum Break, doch der Ball blieb an der Netzkante hängen. Flipkens befreite sich aus dieser brenzligen Situation und schaffte dann ihrerseits das Break zum 7:5-Sieg. An Pos. 4 kam es durch die Verletzung von Michelle Gerards (Oberschenkelzerrung) zum Aufeinandertreffen der beiden Schwestern Sabine Klaschka und Carmen Klaschka. Anfangs dominierte die Stuttgarterin, doch bei 5:4 hatte Sabine 2 Satzbälle, die sie jedoch vergab. Danach kippte das Spiel und Sabine unterlag noch mit 5:7 und 4:6. Hoffnung keimte dann beim Moerser Anhang wieder beim Spiel von Stanislava Hrozenska auf. Schnell ging Stana mit 4:1 in Führung, kassierte den Ausgleich, um am Ende doch noch mit 7:5 den Satz für sich zu entscheiden. Im 2. Satz lag sie durch einige Unaufmerksamkeiten mit 2:4 zurück, doch Stana zeigte einmal mehr ihre Kämpferqualitäten und holte sich 4 Spiele in Folge und damit auch den 1. Punkt für Moers. Danach wurden die begonnenen Spiele in die Halle verlegt. Und da sorgte Julia Babilon für den zwischenzeitlichen Ausgleich. 1:5 hatte sie im 1. Satz bereits zurück gelegen, was sich aber nicht als Hindernis herausstellte. Mit harten und präzisen Schlägen entnervte sie ihre Gegnerin und gewann den Satz noch mit 7:5. Im 2. Satz hatte sich Stanciute allerdings sehr gut auf das Spiel von Julia eingestellt und konnte sie häufig mit ihrem aggressiven Spiel überraschen. Die Folge war ein glattes 1:6. Doch im 3. Satz war Julia wieder rechtzeitig auf der Höhe, spielte druckvoller und ließ ihrer Gegnerin nur wenig Spielraum. Der Lohn war ein 6:2-Erfolg. Noch besser wurde es für 08 an Pos. 3. Tamaryn Hendler präsentierte sich in einer starken Form und gewann innerhalb kürzester Zeit Satz 1 mit 6:1 gegen Kristina Kucova. Nach dem Umzug in die Halle hatte Tammy zwar ein paar Anpassungsschwierigkeiten, die den Verlust des 2. Satzes bedeuteten, doch im 3. Satz spielte sie für ihre Gegnerin schlicht und einfach zu druckvoll und siegte deshalb völlig verdient mit 6:3. Die 4:2-Führung hatte Patricia Mayr an Pos. 1 auf dem Schläger. Nach einem 0:3 gegen Tatjana Malek spielte sie hervorragendes Hallentennis und hatte bei 5:4 sogar Satzball. Doch einige umstrittene Schiedsrichterentscheidungen brachten Patricia völlig aus dem Rhythmus, so dass sie den Durchgang noch mit 5:7 abgeben musste. Der 2. Satz lief dann völlig an Patricia vorbei und ging mit 6:1 an Malek. Wie schon fast üblich bei den 08-Spielen stand es damit 3:3 nach den Einzeln und die Doppel mussten entscheiden. Mit einer Überraschung wartete 08 dann im
3. Doppel auf. Sabine Krause durfte an der Seite von Julia erstmals Bundesligaluft schnuppern. Gegen das Weltklassedoppel Flipkens/Wöhr reichte es immerhin zu einem achtbaren 1:6 und 3:6. Ein unglaublich gutes 1. Doppel lieferten Patricia und Ekaterina ab. Von den Fans tatkräftig unterstützt demontierten sie die Paarung Malek/Stanciute mit 6:2 und 6:2. Beiden sah man den unbändigen Willen an nach verlorenem Einzel wenigstens den Doppelpunkt zu sichern. Danach konzentrierte sich alles auf das 2. Doppel von Tammy und Stana, welches zu diesem Zeitpunkt mit 4:6 und 1:4 fast hoffnungslos zurücklag. Doch im Doppel kann sich vieles in kürzester Zeit ändern. So auch hier. Angefeuert durch die Moerser Fans spielten sich Stana und Tammy in einen kleinen Rausch und drehten den Satz noch mit 6:4 zu ihren Gunsten. Der Match-Tiebreak war dann nichts für schwache Nerven, diese schienen den 08-Spielerinnen jedoch völlig zu fehlen. Sie ließen sich auch durch einen 5:6-Rückstand nicht beeindrucken und machten 5 Punkte in Folge zum viel umjubelten Sieg.
Fazit:
Auch nach dieser Saison kann man den 08-Verantwortlichen wieder zu ihrem Team und der exzellenten Planung gratulieren. Konnte einem nach der Meldung noch etwas mulmig werden (immerhin präsentierten sich die anderen Teams mit unzähligen Top-100 Spielerinnen), so zeigte sich im Saisonverlauf doch wieder, dass Meldung und tatsächliches Erscheinen 2 Paar Schuhe sind. Daher hatte Moers bereits bei der Meldung auf die meisten Top-Spielerinnen verzichtet, da diese sich als sehr unzuverlässig erwiesen hatten. So kam es auch, dass 08 neben Benrath und Stuttgart an jedem Spieltag ein schlagkräftige Mannschaft aufbieten konnte. Leider erwischte 08 zum Saisonauftakt einen schwachen Start gegen einen zu diesem Zeitpunkt noch gut aufgestellten Titelaspiranten BW Bocholt. Schon gegen Benrath befand sich die Mannschaft jedoch auf Augenhöhe und konnte in den nächsten Spielen gegen Karlsruhe, Radolfzell, Berlin und Stuttgart verdient punkten. Damit hat man wie im Vorjahr einen hervorragenden dritten Platz erreicht (punktgleich mit dem Zweiten Waldau Stuttgart und noch vor dem Top-Favoriten BW Bocholt). Alter und neuer deutscher Meister ist der TC Zamek Benrath, dem wir herzlich gratulieren.
Mit diesem Spieltag verabschiedet sich die 1. Bundesliga in der derzeitigen Form. Ab dem nächsten Jahr wird es einige vom DTB initiierte Änderungen geben (gegen den ausdrücklichen Wunsch der Vereine). Die 1. Bundesliga wird auf 8 Vereine aufgestockt, was bedeutet, dass die finanzielle Belastung höher wird und man bei ungünstiger Auslosung 4 Auswärtsspiele bei nur
3 Heimspielen hat. Des Weiteren wird der ungeliebte Match-Tiebreak auch in den Einzeln Einzug halten. Damit soll wohl der Zeitfaktor beeinflusst werden, aber im Endeffekt wird das Tennisspiel wohl mehr zum Glücksspiel.
















